Senioren Thailand FAQ (druckfreundlich) |
©2005 Senioren Thailand |
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Frage 1: Zur Anlage selber: Wem gehört sie? Ist sie neu, oder war das ein Hotel? Wie sieht ein Aufenthalt finanziell aus: Was kostet es, je nach Pflegestandard? Wie viele Bewohnerinnen/Bewohner haben insgesamt Platz? Wie viele rüstige Senioren? Wie viele Pflegebedürftige zu den Demenzpatienten? |
Antwort: Die Anlage gehört einem sehr reichen Thai-Ehepaar und ist sehr gut gepflegt (fast neu). Die Besitzer vermieten mir einen Teil der Anlage, da sie an Dauergästen interessiert sind. Ausserdem halten die Besitzer es für eine gute Idee und unterstützen uns. Insgesamt könnte ich etwa 20 Patienten unterbringen. Zu Beginn möchte ich jedoch mit nicht mehr als ein bis zwei Alzheimerpatienten, zwei pflegebedürftigen Patienten und etwa drei bis fünf rüstigen Senioren beginnen. Wenn sich alles eingespielt hat, kann ich darüber nachdenken evt. mehr Senioren und Patienten aufzunehmen. Die Preisliste könne Sie hier einsehen und ausgedrucken. |
Frage 2: Zu Ihrer Person: Wer sind Sie? Woher? Ausbildung? Was hat Sie bewogen, eine solche Aufgabe anzugreifen? Vielleicht sogar eine Leidenschaft von Ihnen? |
Antwort: Ich komme aus Deutschland, habe viele Jahre in der Schweiz als Ingenieur gearbeitet und mich zu guter Letzt in Thailand vor etwa drei Jahren niedergelassen. Nach reiflicher Überlegung kam ich auf die Idee, dieses Projekt zu realisieren. Ich habe selber vor etlichen Jahren meine an Demenz erkrankte Grossmutter gepflegt, und mir so das Wissen und den Umgang mit pflegebedürftigen bzw. demenzkranken Menschen aneignen können. Ein Heimplatz in Deutschland oder in der Schweiz wäre damals zu teuer geworden. Nachdem ich Land, Leute und Sprache in Thailand kennen gelernt habe, möchte ich auch anderen Menschen die Möglichkeit bieten, hier Ihren Lebensabend zu verbringen. |
Frage 3: Angaben zu den Auflagen, bei einer def. Aufenthaltsgenehmigung durch den Staat? |
Antwort: Zum Thema Visa: Als Erstes sollte auf der Thailändischen Botschaft ein drei monatiges Non-Immigrant Visum beantragt werden, mit dem der Patient einreist. Danach sollte ein Bank Konto für den Patienten eröffnet werden auf welches 800.000 Baht (etwa 16.000 €) eingezahlt oder überwiesen werden müssen. Anschliessend ist es unproblematisch eine Daueraufenthaltsgenehmigung zu erhalten. |
Frage 4: Demenzkranke müssen ja zunächst nach Thailand kommen. Es ist schwerlich vorstellbar, dass ein schwerst verwirrter alter Mensch eine solch lange Reise ohne Verwirrtheit und entsprechenden Verhaltensweisen "übersteht". Was haben Sie für Erfahrungen mit den langen Flügen gemacht? Meist sind diese Menschen ja auch nicht nur an einer Demenz erkrankt, sondern haben mannigfaltige körperliche Einschränkungen zusätzlich. Wie erfolgt also genau die "Überführung", und was kostet diese? |
Antwort: Der Transport bis BKK muss von den Angehörigen organisiert werden. Bei einer Demenzerkrankung muss ein Angehöriger, oder eine Pflegeperson mit entsprechender Erfahrung, mitfliegen. Ich rate diesbezüglich am Besten einen Direktflug mit Thai Airways zu buchen. Je nach Zustand der Person ist es eventuell besser, per Geschäfts Klasse oder Erste Klasse zu fliegen. Die Kosten, nicht anders als bei einer üblichen Urlaubsreise, sind abhängig von der gebuchten Klasse und der Jahreszeit. Je nach Ankunftszeit in Bangkok, erfolgt der Weitertransport nach Ban Krut direkt ab Flughafen mit meinem Auto, oder es wird einmal in einem angemessenen Hotel in Bangkok übernachtet. Ich empfehle, dass ein vertrauter Angehöriger bzw. eine Pflegeperson sich die Zeit nimmt, den Patienten die ersten Tage mit zu betreuen. Es gibt bereits ein ähnliches Projekt in Thailand. Ich habe auch dort einige Zeit verbracht, und musste feststellen, dass genau wie bei mir im Allgemeinen alles viel unproblematischer ablief als erwartet. |
Frage 5: Eine weitere Frage: Gerade deutschsprachiges Pflegepersonal wird als ein wesentlicher Baustein von Pflege- und Betreuungs-Qualität gesehen. Sie führen Beispiele auf Ihrer Internetseite an, dass sich durchaus positive Effekte ergeben können wenn sich nicht deutschsprachige Menschen um die Verwirrten kümmern. Aus eigener beruflicher Erfahrung bezweifle ich, dass es für Demenzkranke nur vorteilhaft wäre, wenn man sich sprachlich nicht mehr verständlich machen kann. Denn gerade dies führt bei Menschen mit Demenz zu Frustrationen, die oft der Nährboden für aggressives Verhalten sein kann. Wäre es nicht angezeigt, dass die thailändischen Mitarbeiter sich hierauf einstellen, und zumindest Grundkenntnisse der deutschen Sprache erlernen? Wie fördern Sie dies? |
Antwort: Es sind immer ein bis zwei deutschsprachige Personen anwesend. Dies sollte für drei bis fünf Patienten ausreichend sein. Langfristig werden die Mitarbeiter natürlich auch Grundkenntnisse der deutschen Sprache erlernen. Ein Freund von mir, der auch Mitarbeiter in Ban Krud ist, ist ausgebildeter Lehr-Psychologe und unterstützt dies. Thailändische Mitarbeiter werden neben ihrer Arbeit auch regelmäßig Deutsch als Fremdsprache erlernen. |
Frage 6: Nach der allgemeinen Expertenmeinung ist ein Wechsel der Umgebung für Alzheimerpatienten immer schwer zu verkraften. Es kommt häufig zum so genannten Durchgangssyndrom. Der Umgebungswechsel stresst den Menschen mit Demenz, ungewöhnliches oder schwieriges Verhalten verstärkt sich. Jeder der den Übergang von Menschen mit Demenz von der eigenen Häuslichkeit ins Pflegeheim einmal begleitet hat, kennt diese Probleme. Werden Menschen mit Demenz, wenn sie nach Thailand gebracht werden, davon aus irgendeinem Grund nicht betroffen? |
Antwort: Eher nicht, da Anfangs noch eine vertraute Person täglich anwesend ist, wird der Patient innerhalb weniger Tage das Pflegepersonal als Familie betrachten. Der Vorteil bei mir, ist die kleine Gruppe, welche sehr schnell Familiarität und Vertrautheit entstehen lässt. |
Frage 7: Welche juristischen Aspekte ergeben sich, die zu beachten sind? Muss eine Zustimmung des Amtsgerichts (Vormundschaftsgerichts) vorliegen, um einen unter Betreuung stehenden Menschen ins Ausland zu bringen? |
Antwort: Vormundschaftsgericht: Eine Zustimmung brauchen Sie zumeist nicht. Der Vormund ist schliesslich bereits offiziell ernannt und hat damit Entscheidungsgewalt. Ich halte es aber trotzdem für sinnvoll, wenn auch der Vormund mitfliegt. Die genauen Einzelheiten der jeweiligen Rechtslage, sollten aber stets vor Ort im Heimatland durch den Vormund oder ein Familienmitglied vor dem Abflug geklärt werden. |
Frage 8: Bei vorliegen einer Pflegestufe - bezahlt die Pflegekasse weiter, auch nach Thailand? |
Antwort: Nein, aber die Kosten dürften trotzdem noch deutlich niedriger sein als der Eigenanteil in der Schweiz, vorausgesetzt man vergleicht meine Einrichtung mit einer adäquaten, oder vergleichbaren, Einrichtung in der Schweiz. |
Frage 9: Wie werden die Senioren mit dem anderen Klima fertig? Thailand dürfte für den "deutschen Ottonormalsenioren" manchmal ungewöhnlich warm sein. |
Antwort: Die Senioren werden erstaunlich gut mit dem Klima fertig. Mittlerweile haben wir auch in Deutschland in einem heissen Sommer, manchmal bis zu 40 Grad. So heiss wird es hier nur sehr, sehr selten, und hier, wo die gesamte Anlage unmittelbar am Meer ist, schon gleich gar nicht da fast immer eine sanfte Meeresbriese weht. Der Vorteil hier in Thailand ist der, dass der Patient nicht den enormen Temperaturschwankungen ausgeliefert ist, die so oft in Deutschland und der Schweiz älteren und kranken Menschen eine viel grössere Belastung auferlegen (Wetterfühligkeit, Rheuma, Kopf- und Gliederschmerzen und vieles mehr). |
Frage 10: Wie ist eine fachärztliche Versorgung in Thailand durch entsprechend ausgebildete Neurologen sichergestellt? Und sind moderne Medikamente wie z.B. Antidementiva auch in Thailand erhältlich? |
Antwort: Die nächste neurologische Klinik ist nur ca. 50km entfernt. Die medizinische Versorgung ist, entgegen der weitläufig verbreiteten Meinung, sehr gut in Thailand. Hier sind alle Medikamente erhältlich. |
Frage 11: Über welche Ausbildung verfügen die thailändischen Mitarbeiter? |
Antwort: Es ist eine Krankenschwester anwesend die Erfahrung in der Pflege alter Menschen hat. In Thailand ist es üblich, dass die Kinder Ihre Eltern pflegen (im Grunde genommen exakt nach dem „Normalitätsprinzip“ von Böhm). Somit hat jeder Pfleger/in bereits von Kindheit an eine sehr gute „Ausbildung“. Ein Thai wird niemals älteren Menschen Unverständnis entgegenbringen, und schon gar nicht das, was der Patient erzählt in Frage stellen. Alle Gefühle und Verhaltensweisen werden von dem Thaipflegepersonal völlig akzeptiert. Dies liegt in der Natur der thailändischen Bevölkerung. Des Weiteren gibt es bezüglich Demenzerkrankung in Bangkok spezielle Kurse. Wichtig ist für mich und mein Partner ist, dass wir aktiv darauf achten, dass die „Normalität“ des Patienten auch dem Betreuungspersonal bekannt ist. Dies ist ein stetiger, gemeinsamer Lernprozess. Es mag zwar alles etwas abwegig klingen, aber exakt dies habe ich auch in Nordthailand beobachtet; es funktioniert erstaunlich gut. |
Frage 12: Welche Probleme ergeben sich hinsichtlich der Ernährung? Das "gewohnte" Essen ist - wiederum gerade für Menschen mit Demenz - sehr wichtig und häufig wesentlicher Bestandteil des Tagesablaufs. Kommen die Senioren mit thailändischen Ernährungsweisen zurecht? |
Antwort: Die Ernährung ist völlig problemlos. Die Senioren kommen mit leicht westlich angepasster thailändischer Küche bestens zurecht. |
Frage 13: Sie schreiben z.B., dass neue Ressourcen entwickelt werden können, dadurch dass keine verbale Kommunikation mit dem Pflegepersonal möglich ist. Mich würde bei diesem Punkt sehr interessieren, wie es dann im Gegenzug möglich sein soll, die noch vorhandenen Ressourcen zu erhalten und zu fördern? Nachdem jeder Mensch seine ganz eigene Geschichte mich sich bringt, ist es in diesem Bereich sicherlich nicht damit abgetan, dem Menschen die Wünsche von den Lippen abzulesen (und ich möchte Ihrem Personal keinesfalls absprechen, dass sie die Grundbedürfnisse der Menschen erkennen / erraten können). Wie möchten Sie also gewährleisten, dass Ressourcen erhalten werden und dass eine biographiebezogene Arbeit ermöglicht wird? |
Antwort: Es ist nicht nur das Pflegepersonal anwesend, sondern auch immer ein oder zwei deutschsprachige Personen. Dies sollte anfangs für eine Gruppe von drei bis fünf Patienten ausreichend sein. Im Übrigen ergibt sich durch die entstehende Familiarität zwischen Menschen mit Demenz und deren Austausch mit den anwesenden deutschsprachigen Personen eine sehr enge Beziehung, durch die Ressourcen nicht nur erhalten werden, aber auch gefördert werden. |
Frage 14: Sicherlich werden sich die Menschen teilweise auch auf ihre neue Umgebung einstellen und Erinnerungen auf die neue Umgebung übertragen, wie Sie es auf Ihrer Homepage auch beschreiben. Aber es wurde ebenfalls immer wieder festgestellt, dass durch einen extremen Umgebungswechsel eine wesentlich stärkere Dekompensation bei demenzkranken Menschen stattfindet. Wie sehen Sie diesen Umstand, z.B. auch im Bezug auf die Besuchsmöglichkeiten der Angehörigen? Gerade für einen demenzkranken Menschen sind diese Bezugspersonen eine wichtige Orientierungshilfe. |
Antwort: Da ich einige Zeit mit ähnlichen Projekten verbracht habe, kann ich aus Erfahrung das Problem des Umgebungswechsels nicht bestätigen. Besuchsmöglichkeiten für die Angehörigen sind natürlich ausreichend und rund um das Jahr vorhanden. Die Anlage ist sehr weiträumig und gross genug um auch die Verwandten während eines Urlaubs zu beherbergen (Schauen Sie duch mal in unsere Bilder Galerien!). |
Frage 15: Zum Schluss würde mich noch interessieren, welche Ausbildung die Angestellten in Ihrem Haus haben. Sicherlich verfügen sie über eine sehr menschliche und gefühlvolle Art. Wenn allerdings das nötige Fachwissen fehlt - gerade auch wieder im Bereich der Betreuung von demenzkranken Menschen - kann die gefühlvollste Art manchmal auch nicht viel bewegen. Sind z.B. Methoden wie Validation bekannt und werden diese angewendet? |
Antwort: Es ist eine Krankenschwester anwesend, die Erfahrung in der Pflege alter Menschen hat. des weiteren, in Thailand ist es üblich, dass die Kinder Ihre Eltern pflegen - im Grunde genommen exakt nach dem „Normalitätsprinzip“ von Böhm. Somit hat jeder Pfleger/in bereits von Kindheit an eine fast „ideale Ausbildung“. Auch gibt es bezüglich Demenzerkrankung in Bangkok spezielle Kurse. Wichtig ist nur, dass ich und mein Partner sehr aktiv daran arbeiten, dass die „Normalität“ des Patienten auch dem Betreuungspersonal bekannt ist. Dies ist ein ständiger Prozess. Ich sehe jedoch nicht warum dies bei meiner Einrichtung nicht möglich sein sollte. Bei uns gibt es keine „Warm-Satt-Sauber-Pflege". |
Frage 16: Was denken Sie über Pflege- und Betreuungstheorien wie z.B. das psychobiographische Betreuungsmodell nach Prof. Erwin Böhm, welches in Ihrem Hause schwierig realisierbar sein dürfte. Wie sieht es mit der oben genannten Validation aus? (Sprachbarriere) |
Antwort: Validation nach Feil: Um den Betroffenen so viel Lebensqualität wie möglich zu erhalten, kommt es auf die richtige Betreuung und das Verständnis für den Betroffenen an. Denn durch Unverständnis gegenüber dem Demenzkranken können unbewusst aggressive Reaktionen hervorgerufen werden. Als sehr erfolgreich hat sich der Umgang mit der Validationsmethode nach Feil erwiesen. Validieren nach Feil bedeutet, die Realität des Dementen anzunehmen, seine aktuellen Gefühle und Verhaltensweisen „für gültig zu erklären“ und wertzuschätzen. Bezüglich Validation ist die Sprachbarriere doch schon fast von Vorteil. Ein Thai wird niemals einem alten Menschen Unverständnis entgegenbringen oder das, was der Patient erzählt, in Frage stellen. Alle Gefühle und Verhaltensweisen werden von dem Thaipflegepersonal völlig akzeptiert. Dies liegt in der Natur der thailändischen Bevölkerung. Damit die verbale Kommunikation nicht zu einseitig wird, sind immer ein bis zwei deutschsprachige Personen anwesend, und alle thailändischen Pfleger/innen nehmen nebenberuflich an Deutsch Kursen teil. Die gleichen Beobachtungen machte ich auch in einem Pflegeheim in Nord Thailand! |